Über den Ursprung der Welten

Die Autorin über das Buch

Liebe Leser,

Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich mich durchringen konnte dieses Buch zu schreiben und wahrscheinlich wären noch mehr Jahre verstrichen, wenn nicht zwei entscheidende Umstände eingetreten wären: In den letzten zwanzig Jahren hat sich eine Entwicklung vollzogen, die ich für ausgeschlossen hielt und im Sommer 2008 hatte ich mit einem Menschen zu tun, der mir die absolute Notwendigkeit dieses Buches deutlich vor Augen geführt hat. Zwar lag das Buch zu diesem Zeitpunkt bereits in seiner Rohfassung vor, vom Sinn seiner Veröffentlichung war ich aber keineswegs überzeugt.

Möglicherweise hatten Sie schon einmal ein modernes spirituelles Buch in Händen und lasen, dass der Autor „gar nicht anders konnte, als es niederzuschreiben”, „die Sätze seien förmlich aus ihm oder ihr herausgesprudelt, ganz von selbst, beinahe ohne eigenes Zutun”, „dem Autor hätte der Inhalt so geholfen, vielen Freunden ebenfalls und dann blieb ihnen gar nicht anders übrig, als es zu veröffentlichen, weil es ein großes Geschenk an die Menschheit sei…”, etc. etc. Viele dieser Bücher entstehen während großer Lebens- und/oder Sinnkrisen und mögen hilfreich sein, weil sie Stütze und Trost angesichts eines schwer zu bewältigenden Lebens bieten, ganz egal wie und warum sie zustande kamen. Mit diesem Buch verhält es sich anders, es wurde nicht während oder nach einer akuten Sinnkrise geschrieben, es dient nicht dazu Halt zu vermitteln, obwohl dies ein erwünschter Nebeneffekt sein kann und schon gar nicht kam es einfach aus mir herausgesprudelt. Die andere Welt musste massive Nachhilfe „in Sachen Einsicht” leisten, weil ich dieses Buch nicht schreiben wollte. Schreiben wollte ich es nicht, weil ich keinen Sinn darin sah und einen Sinn sah ich nicht, weil die „spirituelle Bewegung”, die seit einem Vierteljahrhundert durch Deutschland wabert, Aussagen und Menschen zusammenspülte, die ich als ausgesprochen unattraktiv empfand.

Zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte alles, was mit Spiritualität im weitesten Sinne zusammenhing, in Deutschland einen schweren Stand. Abgesehen von Spiritisten, die als spinnert und Anthroposophen, die als weltfremd galten, verband die Gesellschaft mit diesem Begriff nicht viel, wer sich dennoch damit auseinander setzte, fand wenig Literatur und galt zudem leicht als übergeschnappt. Wenige Jahre später schwappte die „Welle der neuen Spiritualität” von Kalifornien nach Europa und fiel vor allem in Deutschland auf fruchtbaren Boden - ich sah aufmerksam hin und empfand sehr bald einen tiefen Widerwillen: Ich habe Menschen kennen gelernt, die sich für die Reinkarnation Christi hielten, aber ihre Frau und die gemeinsamen vier Kinder zwischen 12 Jahren und 6 Monaten verließen, um mit einer anderen Frau nach Kanada auszuwandern - mit dem Wissen, dass die verlassene Ehefrau keinerlei Ressourcen zur Verfügung haben würde und frei von jeglichem Selbstzweifel. Ich habe Menschen kennen gelernt, die ein Gefühl spiritueller Reife und Erleuchtung empfanden, weil sie einer bekannten Heilerin den Haushalt führen und ihr Geschirr spülen durften. Dadurch hatten sie nämlich einen vertraulichen Zugang zu ihrer „Meisterin”, während der reguläre Besucher nur die offiziellen Gebets- und Versammlungsräume betreten durfte. Ich habe Menschen kennen gelernt, die stundenlang auf Knien Mantras sangen, sich in Ehrfurcht vor dem Gewand eines „Heiligen” auf den Boden warfen und in Entzückung gerieten, wenn sie den Saum dieses Gewandes berühren durften. Ich habe sehr bekannte, ja prominente Menschen großen Unsinn auf relativ einfache Fragen antworten hören und ich habe noch mehr Menschen kennen gelernt, die sich mit diesem Unsinn zufrieden gaben, ohne ihn je in Frage zu stellen.

Ich war weit davon entfernt diese Menschen oder ihre Anhänger zu kritisieren, aber die spirituelle Gemeinschaft, die sich erst in Amerika und ab 1985 in Deutschland entwickelte, war eindeutig nicht meine Heimat. Was diese Menschen sagten, war mir nicht substantiell genug, die Antworten zu unbestimmt und vage, das von sanfter Stimme begleitete Auftreten zu selbstherrlich und der Gruppenzwang zu ausgeprägt. Ich fand, dass zu viel Unsinn geredet und noch mehr Selbstbeweihräucherung betrieben wurde und die Selbstgerechtigkeit dieser vorgeblich spirituell entwickelten Menschen führte dazu, dass ich mich von dieser „Szene” zu einem Zeitpunkt distanzierte, als die meisten anderen erst auf den sich gerade in Bewegung setzenden Zug aufsprangen.

In sehr kurzer Zeit hat sich im spirituellen Bereich eine Bewegung mit ganz klaren Vorlieben und ebenso klaren Regeln durchgesetzt und in dieser globalen Gemeinschaft der „spirituell Erwachten” gibt es ausgetretene Trampelpfade, die so selbstverständlich begangen werden, wie früher gesellschaftliche Konventionen anderer Art eingehalten wurden. Wem es gut tut und wer einen Sinn darin sieht, wird sich sicher fühlen und schreitet auf dem für ihn richtigen Pfad und weil mir schien, dass sich viele, ja die meisten spirituell interessierten Menschen auf diesen Pfaden sehr wohl fühlen, sah ich keinen Sinn darin, ein Buch zu schreiben, dass sperrig, unbequem und anstrengend ist; ein Buch, das diese Pfade in Sprache und Inhalt verlässt und dem Leser einiges abverlangt; ein Buch, dessen Inhalt sich nur erschließt, wenn der Leser ganz selbstverständlich eigenständiges Nachdenken von sich einfordert; ein Buch, das nicht in erster Linie wohlige Gefühle verbreitet, sondern vor allem Anstrengung kostet. Ich war davon überzeugt, dass Menschen, denen die spirituelle Zuckerwatte der letzten Jahrzehnte eine geistige Heimat bietet, keinen Bedarf an einem so anstrengenden und andersartigen Buch haben und diese Überzeugung war der Hauptgrund für meinen Unwillen, es zu schreiben.

Dass ich vor zwei Jahren dennoch damit begann, lag zum einen daran, dass die erwähnte Bewegung mittlerweile ungeahnte Ausmaße angenommen hat. Haltung und Auftreten dieser Menschen war vor zwanzig Jahren allein durch ihre überschaubare Anzahl erträglich - es war problemlos möglich ihrer dreisten, überheblichen und missionarischen Attitüde aus dem Weg zu gehen, indem man sie und die Orte ihrer Versammlung einfach mied. Aber aus dem relativ überschaubaren Häuflein spirituell interessierter Mitbürger hat sich eine vielköpfige Hydra entwickelt, die - und das ist der Grund, der mich letztlich von der Notwendigkeit dieses Buches überzeugt hat - sich keineswegs verpflichtet fühlt, ihre „gesammelten Weisheiten” für sich zu behalten, sondern sie ungefragt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zum Besten gibt. Dieses „ungefragt zum Besten geben” stellt bereits für sich allein einen massiven Verstoß gegenüber den Grundlagen jeglicher spirituellen Entwicklung dar, die nämlich in allererster Linie nach der Erkenntnis und Einsicht verlangt, schweigen zu können. Dass dabei spirituelle Halbwahrheiten nachgeplappert werden, die man irgendwo aufgeschnappt hat, macht die Sache noch schlimmer, denn dieses Geplapper hält nicht einmal einfachen Nachfragen stand, geschweige denn einer ernsthaften Auseinandersetzung, die gern mit dem Hinweis, man denke in Bildern, statt in Worten, vermieden wird. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass dieses Buch vielleicht gar nicht für diese Menschen geschrieben werden sollte, sondern für all jene, die zwar nach übergeordneten Zusammenhängen suchen, aber einleuchtende, in sich stimmige Erklärungen verlangen, die auch einer genaueren Nachfrage standhalten; für Menschen, die die gängigen pseudospirituellen Pfade entweder gar nicht erst betreten oder längst wieder verlassen haben, eben weil sie ihnen keine geistige Heimat boten; für Menschen, die zwar nach Antworten suchen, bislang aber nur wissen, wo sie die sicher NICHT finden.

Im Namen der „Spiritualität” wird heute ebenso Schaden angerichtet, wie früher im Namen der „Kirche” oder des „alleinrechtmäßigen Glaubens”. Da wird mit missionarischem Eifer, in der festen Überzeugung, man habe schon wieder eine seligmachende Lösung für alle Probleme gefunden ein Buch nach dem anderen veröffentlicht und gelesen. Da wird die Krankheit zum Weg umdeklariert und unbekümmert mit den Erkenntnissen vom Wochenendkurs in „Modernem Schamanentum” zusammengeworfen. Da werden mit lässiger Geste Bestellungen beim Universum aufgegeben, als handle es sich um einen Pizzaservice und ganz nebenbei wird das magische Ritual der spirituellen Klangmassage absolviert. Da werden, weil man „nach allen Seiten offen und im Hier und Jetzt lebt” Halbwahrheiten und abstruse Behauptungen miteinander gemischt und selbstverständlich auch vorgetragen und natürlich wird dabei losgelassen und positiv gedacht, nein besser, es wird „optimal gedacht”. Man findet sich zur „Spiraldynamik” ein - Indigo- und Kristallkinder gibt’s gratis obendrauf - und ganz nebenbei werden Prophezeiungen gedeutet, das Geheimnis des Herzmagnetismus gelüftet, das geheime Gesetz der Anziehung enthüllt, radikal verziehen, Gespräche mit Gott geführt und die allerletzte Inkarnation absolviert, weil man eh’ nur noch da ist, um die „Meisterschaft zu meistern.”

Und der ganze unsubstantielle Brei wird einem ungefragt um die Ohren gehauen, ob man will oder nicht, mir zuletzt im Sommer 2008 von einer leitenden Oberärztin einer weltweit renommierten Forschungseinrichtung mit angeschlossenem Krankenhaus, dem letzten Ort, an dem ich mit dergleichen gerechnet hätte, handelt es sich doch um einen Hort praktizierten Wissens und Verantwortungsbewusstseins. Zu dieser Forscherin und Ärztin - einer ausgewiesenen Expertin ihres Fachs - hatte ich mit großem Aufwand Kontakt aufgenommen, weil ich mir modernste, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu einer gesundheitlichen Problematik erhoffte, die ich selbst nicht in den Griff bekam.

Doch bereits während unserer ersten Begegnung fühlte sie sich berufen, mir das spirituelle Fazit ihres jungen Lebens - „Sie müssen loslassen!" - mit auf den Weg zu geben und den Rat, einen weltberühmten Bestseller zu lesen, der ihr und ihren anderen Patienten so ausgesprochen hilfreich gewesen war. Warum der empfohlene Besteller denn lesenswert sei, konnte sie später ebenso wenig erklären, wie das, was ich eigentlich loslassen müsse, weil sie nämlich in Bildern denke, die sie nicht in Worte kleiden könne. Da war sie wieder, die geschmeidige Begründung dafür, nicht erklären zu können, was man von sich gegeben hatte; was nicht weiter verwundert, denn beide Ratschläge sind untauglich, unsubstanziell und unbegründet und hielten selbstverständlich keiner Nachfrage stand: Beim „Loslassen" handelt es sich um eine dieser nutzlosen, nur halbverstandenen spirituellen Binsenweisheiten, die mit überlegener Geste großzügig nach rechts und links verteilt werden und den Bestseller hatte ich wenige Wochen zuvor angewidert aus den Händen gelegt - selten zuvor hat ein Autor so ungeniert die eigene Person erhöht und dabei so wenig aufzuweisen.

Vorgebracht wurden diese „Ratschläge" mit der Autorität einer Frau Dr. Oberärztin, die die Last der Gesundung auf diese Weise vollständig ihrem Patienten überträgt: Wenn der nicht geheilt werden kann, liegt das immer an ihm, weil er nämlich nicht loslässt oder sich einer spirituellen Entwicklung sogar ganz verweigert. Zweifel an der eigenen Person, der eigenen Arbeitsweise oder der Organisation des eigenen Arbeitsumfeldes kommen da gar nicht erst auf, denn mit dem lapidaren Hinweis „Ähnliches zieht Ähnliches an" werden Behandlungsfehler oder ausbleibende Heilung zum Ausdruck der mangelnden spirituellen Reife des Patienten umgedeutet.

Diese Begegnung war für mich von einschneidender Bedeutung, denn sie machte mir bewusst, welch ungeheures Ausmaß die esoterische Bewegung in den letzten Jahren angenommen hat: Wenn heute selbst der Wissenschaft verpflichtete Menschen ohne jeden Selbstzweifel dumme, als ärztlichen Rat verpackte pseudospirituelle Phrasen dreschen und das Unvermögen, diese ungefragt erteilten Ratschläge erklären zu können, als Beleg für die eigene spirituell überlegene Entwicklung anführen, die sich darin ausdrückt nicht länger in ordinären Worten, sondern in komplexen Bildern zu denken, dann ist es nicht mehr möglich, den Anhängern dieser Bewegung einfach aus dem Weg zu gehen - sie sind Teil unseres Alltags geworden und sie mischen sich, ohne die Bitte um Erlaubnis überhaupt in Erwägung zu ziehen, ungeniert und selbstverständlich in unser Leben ein, indem sie sich die Deutungshoheit über dieses Leben anmaßen.

Dank dieser Erfahrung bin ich sicher, dass es richtig ist, mein Schweigen zu brechen und die Veröffentlichung meines Buches ist eine Reaktion auf die Vergewaltigung der Spiritualität durch ihre Banalisierung. Es ist an der Zeit, sich zur Wehr zu setzen und dem pseudospirituellen Gewäsch und der überheblichen Selbstgefälligkeit, der Oberflächlichkeit, Schlampigkeit und Gleichgültigkeit, die viel zu oft damit einhergehen, Widerstand entgegen zu setzen.

Ich freue mich aufrichtig über jeden Leser und ich freue mich noch mehr, wenn das in diesem Buch enthaltene Wissen zu Unabhängigkeit und einem tiefen Gefühl von Befreiung führt. Wenn es dabei der Massenbewegung, die sich für spirituell hält, aber weit davon entfernt ist, es zu sein, auch noch Grenzen setzt, betrachte ich dies als ausdrücklich erwünschten Nebeneffekt.

Ich wünsche Ihnen sehr viel Freude beim Lesen und viele neue und fruchtbare Gedanken,

herzlich, Helena Balasz

Wenn Sie ein paar Informationen über mich lesen wollen, finden Sie die hier.