Über den Ursprung der Welten

Wer heilt, hat Recht - oder nicht?

3. Juni 2009 von Helena

Manche - sehr wenige - Menschen können etwas ganz Besonderes: Sie können heilen und sie können es wirklich. Für gewöhnlich werden sie aufgesucht, wenn sonst nichts mehr hilft. Dann, wenn kranke Menschen bereits das riesige Spektrum als seriös oder unseriös geltender Interventionen hinter sich haben und immer noch krank sind. Heiler gelten als letzter Strohhalm, als ultimativer Notnagel kurz vor dem Abgrund. Wenn sie nicht helfen können, hilft gar nichts mehr - eine möglicherweise lange Leidenszeit und der Tod sind dann unvermeidlich.

Die Hoffnungen, mit denen Heiler deshalb konfrontiert werden, sind gigantisch, was nicht geleugnet wird. Dass der Erfolgsdruck, unter dem sie stehen, ebenfalls gigantisch ist, wird allerdings energisch bestritten, denn - man achte auf das Einsprengsel der Bescheidenheit, die hier zum Zuge kommt - letztlich sei man nur ein Werkzeug, das „göttliche Energie” weiterleite und wenn Gott nicht wolle, könne der Heiler eben auch nicht.
Es gibt Heiler, die diesen Hinweis gleich zu Beginn einer Behandlung geben, damit übersteigerte Hoffnungen dämpfen und so auf mögliche Enttäuschungen vorbereiten. Sie verschaffen sich so aber auch Linderung bezüglich des Leistungsdrucks unter dem sie stehen: Ein Werkzeug ist immer „Knecht” in der Hand dessen, der es führt. Ob sein Einsatz deshalb ein brauchbares Ergebnis nach sich zieht, bestimmt es nicht selbst, sondern der, der es einsetzt. Und wenn Gott selbst die Hand führt, kann sich ein Werkzeug nur fügen, ganz gleich, welches Ergebnis die Behandlung zeitigt.

Nun ist es Menschen gewöhnlich nicht möglich mit spirituellen Mitteln so in physikalische Gesetzmäßigkeiten einzugreifen, dass es auf der materiellen Ebene dauerhaft zu tiefgreifenden Veränderungen kommt.
Das hat seinen Sinn, denn der Mensch ist nicht immateriell, sondern materiell manifestiert und die materielle Welt bietet in ihrer Schönheit und Beschwerlichkeit die ihm angemessene Umgebung: Hier kann er lernen, hier darf er sich entwickeln und hier kann er ausprobieren und experimentieren, bis die Konsequenzen, die seine Versuche - Fehler genannt - nach sich ziehen, ihn eines Besseren belehrt haben und Krankheiten gehören zu diesen Konsequenzen.

Weil der Mensch gewöhnlich eben genau das nicht kann, was er liebend gerne können würde, nämlich so in physikalische Gesetzmäßigkeiten eingreifen, dass die Folgen seines Handelns jederzeit revidierbar sind, ist der mit jeder Inkarnation verbundene Lernerfolg selbst dann unvermeidlich, wenn ein Mensch sich nur in winzigsten Schritten von Leben zu Leben hangelt. Irgendwann wird er jeder seiner Handlungen auch die entsprechende Erkenntnis zuordnen können und irgendwann wird der Erkenntnis auch die Einsicht folgen. Entwicklung ist also garantiert, selbst für die unwilligsten und langsamsten unter uns.

Nun gibt es da aber jene Handvoll Menschen, die die Folgen unserer Handlungen tatsächlich revidieren kann. Menschen, die wir vor allem dann aufsuchen, wenn die Folgen unserer Handlungen unser körperliches Wohlbefinden und unsere Gesundheit massiv beeinträchtigen. Menschen die, oft auf unser heftiges Drängen, immer dann eingreifen, wenn wir keine Lust mehr haben, die Suppe auszulöffeln, die wir angerichtet haben. Menschen, die den Sinn einer „Krankheit als Weg” anerkennen mögen, sich aber trotzdem berechtigt fühlen, diesen Weg kurzerhand zu beenden, weil sie überzeugt sind ein Werkzeug Gottes zu sein. Heiler eben.

Tun uns solche Menschen nun einen Gefallen oder eher doch nicht? Helfen sie uns wirklich? Oder kicken sie uns wie beim „Mensch-ärgere-dich-nicht” kurz vorm Ziel aus dem Spiel? Gerade jetzt, wo die mit der Krankheit verbundene Erkenntnis möglicherweise zum Greifen nahe ist? Müssen wir jetzt wieder von vorn anfangen, nur weil wir die letzten, entscheidenden Schritte nicht gehen konnten?

Diese Fragen kann man nur beantworten, wenn man wirklich weiß, warum ein Mensch krank ist, was er dadurch lernen soll, ob er es schon gelernt hat und - falls nicht - an welcher Stelle er in diesem Lernprozess steht. Wer aber solche Antworten geben kann, hat sich sehr viele Gedanken zum Menschen gemacht, der ihm gegenüber sitzt. Er hat viel Zeit darauf verwandt zu verstehen, was diesem Menschen tatsächlich wichtig ist und warum die Dinge in dessen Leben so sind wie sie sind und wie sie in den Leben zuvor waren. Er wird sich auch die Mühe machen, all diese Zusammenhänge zu erklären, falls das gewünscht wird, aber ganz sicher wird er niemals in einen Prozess eingreifen, den er nicht versteht, nur weil er das kann!
Ein solcher Mensch ist genau das Gegenteil eines passiven, ohne Sinn und Verstand eingesetzten Werkzeugs - er wird sich selbst niemals so sehen und erst recht nicht als solches bezeichnen.

Dass Menschen versuchen ihnen unangenehme Folgen zu vermeiden oder aufzuheben, ist absolut legitim. Ist es auch legitim diese Folgen tatsächlich aufzuheben, nur weil man es kann? Oder handelt sich in Wahrheit sowohl für den Heiler als auch für die Engel, die durch ihn wirksam werden, um eine Lektion in Sachen Selbstbeschränkung?
Für den einen könnte die Lernaufgabe darin bestehen, auf die Ausübung seines Könnens zu verzichten, weil keinerlei Kenntnis darüber vorhanden ist, was man, über den ersten offensichtlichen Eindruck hinaus, mit diesem Können tatsächlich anrichtet. Und die Lernaufgabe für die anderen könnte darin bestehen, sich nicht unzulässig in Prozesse einzumischen, nur weil ihnen Tür und Tor geöffnet und deshalb die Möglichkeit dazu gegeben wurde.

Dass man etwas kann, heißt nicht noch lange nicht, dass man es auch darf!

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Eine Reaktion

  1. Johanna Schlitzkus

    Danke für diesen Artikel. Er spricht mir aus dem Herzen. Wie oft werde ich gefragt ob ich “wirklich” heilen kann. Das Verständnis was Heilen bedeutet, wird natürlich nicht hinterfragt. Ich heile nicht - nicht auf herkömmliche Weise und nicht um des “Heilens” willens. Ich denke das der Mensch (denn Tiere reagieren anders als Menschen und sie gehen viel Sinniger ihren Weg, als wir Menschen) oft nicht versteht was mit Heilung gemeint ist. Er sieht die Dinge vielmehr durch und in seinem Körper und begreift den Sinn des Ganzen nicht.
    Den Begriff Heiler lehne ich für mich daher ab, denn ich würde (auch wenn ich es könnte) immer in das Energiefeld des Anderen eingreifen und mehr in Gang setzen, als ich verantworten kann und als ich begreifen kann - denn ich bin auch nur ein Mensch, mein Gehirn ist daher begrenzt.
    Das haben Sie wundervoll beschrieben.

    Herzlichen Dank von Johanna Schlitzkus

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