Über den Ursprung der Welten

Spiritualität erkennen können

3. April 2009 von Helena

Woran man einen spirituellen Meister oder ein wertvolles spirituelles Buch erkennt.

Der spirituelle Meister zuerst:

Der wahre spirituelle Meister kommt hauchzart daher und gefühlsecht und wahnsinnig SENSITIV. Sensitiv muss sein, sonst kann er die göttliche Liebe nicht in sich aufnehmen, das muss er aber, damit seine Schüler ihn erkennen können - nein, ich muss mich korrigieren, die erkennen ihn nicht, die „erfühlen ihn” und zwar weil er die zuvor aufgenommene Liebe jetzt verströmt. Sie quillt aus allen seinen Poren, er ist so von ihr eingehüllt, dass sie ihn ganz und gar umgibt. Man kann die Liebe sogar schneiden, so dick hat er sie aufgetragen.

Schweigend im Lotussitz sitzt er da, gern mit geschlossenen Augen und mildem Lächeln. Fragen beantwortet er nicht, sondern lächelt sie einfach weg. Weglächeln ist eine besonders gütige Form der Antwort, wenn auch nicht immer die, die man gerne gehabt hätte, dennoch nimmt sich der Schüler den Meister meist auch hier zum Vorbild und schweigt ebenfalls (oder singt) - und lächelt.
Lächeln ist immer gut für die Entwicklung der eigenen Liebesfähigkeit und so nimmt man das Lächeln des Meisters dankbar an und schämt sich nur ein kleines bisschen für die gestellte Frage.
Denn der Meister kritisiert ja nicht, er nimmt jeden so an, wie er ist. Weil jeder genau richtig ist, so wie er ist. Er gestattet sich - siehe oben - höchstens ein Lächeln, auch auf die Frage, weshalb man dann überhaupt einen spirituellen Meister braucht.
Manchmal muss er Schüler ablehnen, insbesondere solche, die kritische Fragen stellen und trotz des Lächelns konkrete Antworten erwarten. Er tut es nicht gern, aber er muss es tun, denn diese Schüler zeigen deutlich, dass sie einen so hoch entwickelten Meister noch nicht angemessen wertschätzen können. Ihr Beharren auf dem unwichtigen, flüchtigen Wort offenbart, dass sie die wahre universelle Sprache, die Sprache der Liebe noch nicht verstehen, geschweige denn selbst sprechen können. Sie müssen gehen, weil sie leider noch immer mit Blindheit und Taubheit geschlagen sind - keinesfalls aber, weil sie Fragen stellen, auf die der Meister keine vernünftigen Antworten hätte.
Ein wahrer spiritueller Meister wird nie krank, denn er ist von göttlicher Energie und Liebe durchtränkt. Wird er es doch, dann nur, weil er wie eine Mutter aus Liebe und Fürsorge all das Schlechte, dass seine Schüler mitbringen, in sich aufnimmt. Falls er so viel Schlechtes in sich aufnimmt, dass er vor lauter Fürsorge sogar stirbt, was gelegentlich selbst echten Meistern passiert, wird er seine Spiritualität an ausgewählte Schüler vererben. Diese „Erbspiritualität” stellt die Qualität der Ausbildung der Schüler und Adepten auch weiterhin sicher und trägt durch die so gewährleistete Kontinuität zuverlässig zur fortschreitenden Erleuchtung der Menschheit bei.

Die Frage, ob sich tatsächlich spirituelle Meisterschaft hinter solchem Gebaren verbirgt, schieben wir auf und wenden uns nun den spirituellen Büchern zu, die ähnlich schrill daherkommen:

Es war nicht immer so, aber heutzutage wird Spiritualität gerne durch Schicksalsschläge ausgelöst, die der Vorbereitung der Betroffenen dienen. Vorbereitet werden sie auf tiefschürfende Erkenntnisse und goldene Weisheiten, die von allerhöchsten Autoritäten und sogar von Gott persönlich verkündet werden. Die Betroffenen erkennen deshalb im Nachhinein, dass es sich gar nicht um Schicksalsschläge, sondern um Geschenke gehandelt hat, weshalb sich ihre Betroffenheit in Dankbarkeit wandelt, die sie dazu motiviert Bücher zu schreiben, weil sie Ihr Geschenk dadurch nämlich teilen können.
Ein spirituelles Buch kann man also an dieser oder einer ähnlichen Vorgeschichte erkennen und damit stellt der vom Schicksal gebeutelte Autor ein erstes und wichtiges Qualitätsmerkmal für ein solches Buch dar, das zur Orientierung der Leser darum auch gern und häufig erwähnt wird.
Des weiteren wird der Autor aufzeigen, dass Gott die reine Liebe ist, keinerlei Ansprüche an die Weiterentwicklung des Lesers stellt, außer an dessen Geduld, Liebes-, vielleicht auch Leidensfähigkeit und immer zufrieden ist, wenn alle darauf vertrauen, dass es sich schon zum Guten wenden wird. Er wird ausführen, dass man schon mit diesem Gottesbild dafür sorgt, dass die Welt besser wird, als sie im Moment gerade ist, dass man außerdem auf seine Stärken vertrauen, sich nicht mit Negativem umgeben, immer tapfer visualisieren und in der festen Überzeugung leben soll, dass es keine Zufälle gibt. Im Buch findet sich meist auch eine Anleitung, wie man das bewerkstelligt und in dieser Anleitung werden dann die üblichen Hilfsmittel aufgelistet: Kristallsteine, energetisiertes Wasser, spirituelles Yoga, liebevolles Ein- und Ausatmen, negative Gedanken abschütteln usw. usw.
Weitere Erkennungsmerkmale eines hochspirituellen Buches sind kurze Sätze in einfachem Deutsch, ein liebevoller, annehmender Sprachstil, freundliche Beispiele, Zitate des Dalai Lama, kurze Gebete und Visualisierungsanleitungen, möglicherweise eine beigefügte CD, ganz sicher jedoch ein erbauliches Buchcover, mit Engelszeichnungen oder Fotos von Kerzen, Marienkäfern, einem Regenbogen und anderen schönen Dingen. Wenn nichts davon machbar war, findet sich wenigstens die Darstellung sphärischen Nordlichts, das raumübergreifende Spiritualität symbolisieren soll, kurz ein visueller Hinweis darauf, dass das Buch hilft, die Beschränkung der materiellen Welt hinter sich zu lassen, wird nicht fehlen.
Anhand der aufgelisteten Merkmale sollte es Ihnen künftig ein Leichtes sein, die Spreu vom Weizen zu trennen und mit sicherer Hand jedes hochspirituelle Buch als solches zu enttarnen.

Nachdem Sie all das gelesen haben, fragen Sie sich bitte, ob die einseitige Fixierung auf Liebe, Friedfertigkeit, Vergebung und Ähnlichem mehr tatsächlich eine ausbalancierte Haltung unter dem Gesichtspunkt von Yin und Yang, Aufbauend und Abbauend und Positiv und Negativ darstellt?
Und dann fragen Sie sich, warum „immer Lächeln können” ein Beitrag zur Entwicklung der eigenen Liebesfähigkeit ist? Oder ob sich die eigene Liebesfähigkeit nicht viel besser durch Mitgefühl entwickelt?
Und wenn dem so sein sollte, fragen Sie sich, ob es dann wirklich angemessen ist, immer zu lächeln?
Und zuletzt fragen Sie sich bitte, ob es nicht gerade Qualitätsmerkmal eines spirituellen Meisters sein muss, jede spirituelle Frage stichhaltig beantworten zu können oder wenigstens eine stichhaltige Erklärung dafür zu liefern, warum er es nicht tut?

Ich rate zu tiefem Misstrauen jedem gegenüber, der angibt, er hätte nach einer bedrohlichen, existenziellen Lebens- oder Sinnkrise die wahrhafte spirituelle Lehre entdeckt, spräche mit Gott, würde gerade die letzte Inkarnation absolvieren, sei freiwillig, aus Liebe zu den Menschen oder überhaupt nur deshalb noch hier, weil er die eigene Meisterschaft meistern müsse.
Krisenzustände sind immer extreme und unbalancierte Zustände: Das Pendel ist weit in die eine Richtung ausgeschlagen und zum Ausgleich wird es nun genauso weit in die andere Richtung ausschlagen, was ebenfalls ein extremer, unbalancierter Zustand ist.
Durch eine Krise wird also jedes Bewusstsein in eine heftige Pendelbewegung, versetzt, wobei die Krise selbst das eine Extrem und die Reaktion auf sie das andere Extrem darstellt. Diese Pendelbewegung, die sich über mehrere Lebenszyklen hinziehen kann, beeinträchtigt das innere Bewertungssystem für die angemessene Balance ebenso, wie den bewusstseinseigenen Filter, der jeglichen Kontakt, sei er nun übersinnlich oder nicht, auf seinen Nutzen überprüft. Kontakte, die unter balancierten Umständen gar nicht zustande kämen, werden so das Urteil und die Schlussfolgerungen eines Bewusstseins massiv beeinflussen und dass sie ihm vielleicht sogar hilfreich sind, heißt noch lange nicht, dass sie es auch für einen anderen sein werden.

Bleibt noch zu überlegen, woher das Pendel kam, das zur umfassenden Liebe und dem milden Lächeln des spirituellen Meisters ausschlägt - und wohin es wieder zurückschwingen wird?

Nehmen Sie sich vor Narren und Scharlatanen in Acht, die gab es nicht nur im Mittelalter, die gibt es auch heute! Und heute wie damals ziehen sie eine hübsch verpackte und eloquent angepriesene Wunderkur als Heilmittel für alle Lebenslagen aus der Tasche: „Wirkt immer! Garantiert!” - wohl bekomm’s…

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Eine Reaktion

  1. Ralf Pfeiffer

    Eines ist für mich schon nach kurzen Studien über Spiritualität klar: Man sollte nicht nur seine ohnehin angeborene Möglichkeit zu lächeln häufig nutzen, denn es könnte das Leben bereichern, sondern Spirititualität bedeutet auch, andere zum Lachen zu bringen. Herzhaftes Lachen besiegt jedwede Dunkelheit der Welt.
    Sie haben mich zum Lachen gebracht, danke dafür!

Kommentar
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