Kommentar von akelei
Unter normalen Umständen wären wir beide, das Buch und ich, uns niemals begegnet.
Es wird vorerst in keinem Büchergeschäft auf seine Leser warten; und selbst wenn es dort zu finden wäre, hätte ich einen großen Bogen um das Regal mit der Aufschrift “Spirituelle Literatur” gemacht; und garantiert hätte ich nichts in die Hand genommen, auf dessen Einband steht “Über den Ursprung der Welten”, denn mit Spekulationen zu diesem Thema kann ich grundsätzlich nicht viel anfangen. Ich mag keine Esoterik, ich halte die ganze Bewegung für mehr als fragwürdig und sensible Gemüter begeben sich auf gefährliches Terrain, wenn sie den falschen “Rattenfängern” auf den Leim gehen. Spirituelle Themen oder bestenfalls Philosophie haben für mich geringen Unterhaltungswert; ich würde ein Sachbuch für Heimwerker oder Aquarianer mit vielen schönen Bildern in der Regel vorziehen.
Dass ich “Über den Ursprung der Welten” trotzdem gelesen habe, ist für meine Verhältnisse eine ziemlich lange und komplizierte Geschichte, die ein bißchen was von einem Determinismus hat und mir allein schon deshalb unheimlich sein sollte; aber schon allein wegen des Buches war es das alles mehr als wert.
“Über den Ursprung der Welten” ist ein unglaublich intelligent geschriebenes Buch, das sich allein stilistisch schwer beschreiben lässt. Obwohl es eigentlich ein Sachbuch ist, fand ich es sehr spannend; fast zu spannend, um es wieder aus der Hand zu legen; auf der anderen Seite kann man es nicht “an einem Stück” lesen, weil viel zuviel Information drinsteckt; und äußerst unterhaltsam ist es noch dazu. Ich liebe die Sprache, an vielen Stellen hat mich allein die Satzkonstruktion restlos begeistert, und das kenne ich eigentlich nur von Belletristik.
Es kommt völlig ohne Redundanzen aus, was sich angenehm auf den Seitenumfang auswirkt; doch davon darf man sich nicht täuschen lassen. Dieses Buch ist das Schweizer Taschenmesser unter den Büchern, schlägt man es auf, erwarten den Leser lauter Überraschungen auf kleinstem Raum, man findet den Schraubenzieher gleich neben der Schere und der Lupe, und es ist alles drin, was man zum “Überleben” braucht …
Es zwingt einem keine abstruse Sichtweise eines durchgeknallten Gurus auf, man muß sich hinterher keine Kristalle, Räucherstäbchen und Gesundheitslatschen kaufen gehen oder seltsame gymnastische Übungen machen. Es ist ein Sachbuch, ohne theoretisch zu sein, ein Lehrbuch, ohne belehrend zu wirken, kann trösten und helfen, ohne eine dogmatische Anleitung zum besseren Leben zu enthalten.
Jeden Tag treffe ich irgendetwas oder jemanden, das mich zum Lächeln bringt, weil ich es gelesen habe und mich freue, es tatsächlich wiederzufinden da draußen.
Wer das Buch in 10 Jahren noch einmal liest, wird sich wundern, was alles dazugekommen ist, ohne daß sich der Text auch nur um einen Buchstaben geändert hat. Es ist eines der Bücher, die man über sehr lange Zeit immer wieder gerne in die Hand nimmt, weil sie nie langweilig werden und zeitlos die Zeit überdauern. Ich bin jetzt schon neugierig, was das nächste Mal drinstehen wird …
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